Übergangsschmerz und offene Wunden

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Ich hab ein tolles neues englisches Wort gelernt: transition. Kann man wohl grob mit „Übergang“ übersetzen, bezeichnet aber – wenn ich das richtig kapiert habe – gleich eine ganze Phase von Entwicklungen, die zwischen Zustand a und Zustand b stattfinden. Und die hat oft mit Schmerzen zu tun; temporären zwar, aber ein guter Schmerz hält, was er verspricht.

Passt das nicht perfekt zu Ostern? Jesus am Kreuz, blutende Wunden etc. … okay, ich bin null religiös-gläubig (wenn auch sicherlich nachhaltig davon beeinflusst worden), aber wenn die fucking Monster-Blasen am Fuß ausgerechnet am Karfreitag meinen, aufplatzen zu müssen, ist das schon ne fiese Steilvorlage. Und darunter schreit die feine Babyhaut: „Kuck mich an, ich bin ein Neuanfang. Bitte, bitte, überinterpretier mich!“ – sag ich mir, okay, kann sie haben: alter vernarbter Kram weg, verwundbar neues Zeug tut erstmal scheiße weh [ist mein eigener Blog, darf ich ***-frei fluchen, ne?], aber schafft die Möglichkeit für neues Wachstum … Auferstehungsmetapher beendet.

So, aber mal ganz ernsthaft! Irgendwie fand ich das als Kind schon alles faszinierend – Achtung, wir begeben uns nun in tiefst-bildlich vermitteltes, religionsgeschichtliches Kulturgut, wie ich es damals so abbekommen habe – da wird freitags einer ans Kreuz genagelt, alle heulen und drucksen samstags betröppelt und Gemüsesuppe zum trocken Brot schlürfend umeinander herum, um über Nacht zum Sonntag in Freudenfeuer und festliche Gelage auszubrechen. Da kann man schonmal komisch werden, wenn der Ehemann 30 Jahre später noch nicht kapiert hat, dass es ganz bestimmt noch keine Schokoeier heute, an Karsamstag gibt! Hallo?

Möglicherweise bin ich auch leicht masochistisch veranlagt, aber so bisschen Übergangsschmerz macht’s doch eigentlich auch erst spannend, oder? So sehr ich dieses „Ah! keine Ahnung, wohin das hier alles führt, ich weiß doch auch nicht, kann nicht jemand für mich übernehmen, wo ist die Bedienungsanleitung für dieses komische Leben?“-Geschwimme hasse … ich werde nächstes Mal versuchen, es als die junge Babyhaut zu sehen; oder als trockenes Karsamstag-Brot. Ist vielleicht auch überlebbar. Mit Wundcreme oder Butter und Kresse, je nachdem.

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